Fusionen auf dem Telekommunikationsmarkt – Unkenrufe, Einsparungen in Milliardenhöhe und forcierter Netzausbau

Expertenkommentar

Wie aktuell bekannt wird, erlaubt die EU-Kommission die Fusion von O2 und E-Plus. Dabei übernimmt das global agierende Telekommunikationsunternehmen Telefónica S.A. von KPN dessen deutsche Tochter E-Plus. Zusammen mit dem von Telefónica Germany GmbH & Co. OHG unter der Marke O2 betriebenen Netz, entsteht auf dem deutschen Telekommunikationsmarkt damit ein Player, der mit den bisher nach Kundenzahlen führenden Anbietern Telekom Deutschland GmbH und Vodafone GmbH mithalten kann. Anstatt zwei großen und zwei kleinen gibt es künftig drei große Netzbetreiber.

SEVEN PRINCIPLES, strategische Partner von Unternehmen und Spezialist für Enterprise Mobility, arbeitet eng mit Service Providern zusammen und beobachtet die Konsolidierung sehr genau. Wie die Erfahrung zeigt, neigen netzbasierende Branchen zu Monopolen. Dies gilt auch für die Telekommunikationsbranche, deren Märkte stark konzentriert sind und von einigen großen Anbietern geprägt werden. Die momentane Konsolidierungsphase wird auch durch die Politik angetrieben. Neelie Kroes, die zuständige EU-Kommissarin, ist überzeugt, dass mehr Konsolidierung erforderlich ist. Nur so könnten Investitionen getätigt werden, ohne dass Steuern erhöht werden müssen oder sich die Kosten für Verbraucher erhöhen. Unternehmen müssten größer und effizienter sein, um mehr investieren zu können. Dann bekämen Verbraucher bessere Netze und niedrigere Preise.

Die Anbieter rüsten permanent ihre Infrastruktur auf und investieren in neue Technologien, um wettbewerbsfähiger zu werden. So sind neben den Telefonnetzen auch viele Kabelnetze für die Übertragung von Daten im weiteren Sinne geeignet und Kunden können Internet und Festnetzleitungen von diesen Anbietern beziehen. Mobilfunknetze werden für den schnellen Internetzugang ausgebaut.

Diese Investitionen verschlingen hohe Summen und machen Übernahmen attraktiv. Für Investoren und die Unternehmen selber haben geglückte Übernahmen viele Vorteile. Neben einem Anstieg des Unternehmenswerts wächst das Netz schlagartig. Anstatt ein eigenes Netz teuer und zweitaufwendig anzulegen oder zu erweitern, erreicht O2 nach der Übernahme von E-Plus sehr schnell mehr Kunden, indem die zwei vormals getrennten Netze zusammengelegt werden. Durch den Zusammenschluss werden zudem Ressourcen frei, die für Investitionen in den Netzausbau zur Verfügung stehen. Das durch die Fusion freigesetzte Einsparpotenzial wird auf ungefähr 5 Milliarden Euro geschätzt.

Neben der Erweiterung eines bestehenden Netzes ist es für Firmen auch attraktiv, zusätzliche Netze zu erschließen. Das zeigt etwa die Übernahme von Kabel Deutschland durch den britischen Mobilfunkanbieter Vodafone. Seit der Übernahme ist Vodafone wie die Telekom in der Lage, ein Komplettpaket aus Mobilfunk, Festnetz, Internet und Fernsehen in beliebig variierbaren Produktbündeln schnüren zu können.

Allerdings werden nicht alle Übernahmen positiv gesehen. Kaum sickerten erste Gerüchte zu der anstehenden Übernahme durch, wurden Unkenrufe über steigende Preise laut. Bundesnetzagentur und EU-Kommission würden der Aufgabe nicht gewachsen sein, den Preiswettbewerb aufrecht zu erhalten. Als Beleg dafür wird gerne die 2012 von der EU-Kommission unter Auflagen genehmigte Fusion von Hutchison und Orange in Österreich angeführt. Die Zwischenbilanz hinsichtlich der Wettbewerbsintensität dort fällt in der Tat mager aus: Telekom Austria, T-Mobile und Hutchison verringerten ihren Konkurrenzkampf und erhöhten sogar die Preise einiger Tarife.

Unabhängig davon, in welche Richtung sich die Preise entwickeln, haben große Deals für die gesamte Telekommunikationsbranche in Europa enorme Folgen und können die Route für die Entwicklung in den nächsten Jahren vorgeben. Der zentrale Punkt ist und bleibt dabei der Netzausbau, der durch Übernahmen ermöglicht wird. Die Übertragungsgeschwindigkeiten müssen und werden in den nächsten Jahren massiv steigen – das erfordert große Investitionen in den Ausbau der Netze und den Erwerb von Mobilfunkfrequenzen. Die Ansprüche der Kunden steigen kontinuierlich. Sie wollen schnelle, zuverlässige und sichere Netze – ob mobil oder zuhause. Große, schnelle Netze sind Kundenmagneten.

Betrachtet man Fusionen derart objektiv, blendet man jedoch oft einen wichtigen Punkt aus: das erfolgreiche Zusammenwachsen von zwei vormals getrennten und oft sogar konkurrierenden Unternehmen. Im Allgemeinen gelingt nur eine von zehn Fusionen, da in den meisten Fällen während der Due-Diligence-Prüfung „weiche“ Faktoren wie kulturelle Unterschiede nicht berücksichtigt werden. Die Entscheider legen den Fokus eher auf die Unternehmenszahlen als auf die menschlichen Einflussgrößen. Damit eine Fusion letztlich erfolgreich ist, müssen nach der rechtlichen Zusammenlegung im Rahmen der Post Merger Integration (PMI) Prozesse und Strukturen vereinheitlich und Geschäftsbereiche auch organisatorisch zusammengefügt werden.

Um eine Fusion erfolgreich durchzuführen, sind einige Vorgehensweisen unbedingt zu beachten. So müssen grundlegende Beweggründe der Stakeholder berücksichtigt und Tempo sowie Tiefe der Integration sensibel gestaltet werden. Auch eine konstruktive Vorgehensweise bei Veränderungen, die mit einem professionellen Management der von den Veränderungen betroffenen Stakeholdern einhergeht, wirkt sich vorteilig auf den Erfolg der Fusion aus. Und schließlich ist ein effektives Controlling der Umsetzung der Veränderungen und Erfolge nötig, um den Überblick über bereits erzielte Fortschritte und eventuelles Optimierungspotenzial zu behalten. Leider fehlt oftmals die Einbindung der Mitarbeiter, was zu erheblichen Widerständen führt, die dann schwer zu überwinden sind. In letzter Konsequenz resultiert daraus ein Scheitern der Integration beziehungsweise Transformation.

Neben organisatorischen und menschlichen Faktoren spielt gerade heutzutage die Vereinheitlichung der IT-Landschaft eine tragende Rolle. Am Anfang muss daher eine Evaluation der gegebenen Strukturen stehen. Beide Einzelunternehmen befinden sich zunächst auf dem Prüfstand, um die jeweils besten Prozesse und Vorgehensweisen zu identifizieren und in das neue Post-Merger-Gebilde zu übernehmen. Ist zum Beispiel bei einer Enterprise-Mobility-Strategie ein Teilunternehmen weiter fortgeschritten, sollten nicht nur die IT-Abteilungen, sondern auch die Geschäftsverantwortlichen fragen, wie sich die Vorteile jetzt für das neue Unternehmen nutzen und eventuell auch ausbauen lassen.

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